Wenn der Rücken nicht mehr mitspielt
04. Jan. 2026 12 Kommentare
Warum ich mein Golfspiel neu denken muss und warum Mobility, Kraft & Ernährung für mich zur Grundlage geworden sind
2025 hatte es mich mehr als einmal getroffen. Was genau? Das erfährst Du heute in meinem Artikel hier auf Golfliebe.com. Schön, dass Du da bist. Aber, starten wir erstmal mit einer kleinen Einleitung. Los geht´s…
Ein golferisch geniales Jahr war für mich 2024. Es ist viel Positives passiert, viele hervorragende Trainingseinheiten bei Andreas Probst, viele gute Turnierergebnisse, einstelliges Handicap erreicht, zum 1. Mal eine EvenPar-Runde gespielt, Clubmeister in meiner Altersklasse AK50 geworden und so weiter…
Mit dem Antrieb wollte ich 2025 weitermachen und fühlte mich auch richtig gut. Mit einem genialem Mindsetseminar bei Yannick Rosenberger startete dann auch die Golfsaison 2025 und mit dem immer wieder in die Hand nehmen des genialen Buches Der 15. Schläger von Bob Rotella war ich vom Kopf her echt gut drauf. Aber, immer wieder meldete sich mein Rücken. Angst war ein ständiger Begleiter meines Spiels und so richtig frei konnte ich kaum aufspielen. Bis auf ein paar Turnierrunden unter 80 und der Aufstieg mit meinem Team AK50 II verlief es eher mäßig bis schlecht. Was aus der Verteidigung der Clubmeisterschaft wurde, kannst Du Dir bestimmt denken.

Hält mein Rücken das überhaupt noch aus?
Es begann unscheinbar. Ein Ziehen nach der Runde. Steifheit am nächsten Morgen. Ich redete mir ein, dass das normal sei, schließlich sitzt man viel, spielt Golf nicht immer locker und wird auch nicht jünger. Viele Ausreden, aber wenige Mittel könnte man denken.
Wenn Technik nicht mehr die Antwort ist
Mein erster Reflex war immer wieder typisch.Mehr Stretching, kürzere Schwünge, vorsichtiger spielen und weniger Belastung. Kurzzeitig wurde es besser, aber nie stabil. Der Schmerz kam immer wieder zurück. Heute weiß ich: Ich versuchte, ein körperliches Defizit mit technischen Anpassungen zu lösen.
Der Golfschwung stellt enorme Anforderungen an mich: explosive Rotation, Kraftübertragung aus dem Boden, Stabilität in hoher Geschwindigkeit. Wenn mein Körper diese Voraussetzungen also nicht mehr so erfüllt, findet er Ausweichbewegungen und diese landen häufig dort, wo sie nicht hingehören: im unteren Rücken.
Die Phase, die alles verändert hat
Ab Oktober hatte Golf plötzlich nichts Leichtes mehr. Was sonst für mich Ausgleich und Freude bedeutete, wurde zunehmend von einem Gedanken begleitet: Hält mein Rücken? Aber dann kamen 8 beschissene Wochen… Die Beschwerden wurden stärker. Komplett eingeschränkte Rotation, extreme Schmerzen im unteren Rücken, ein instabiles Gefühl bei jeder Bewegung, Unsicherheit bei jedem Gang. Selbst das Aus- und Anziehen wurde zur Qual. Irgendwann war klar: Das ist kein kurzfristiges Problem mehr und es geht nicht einfach „von allein weg“. Golf, das mir sonst enorme Energie gibt, war nicht mehr denkbar. Ein langer Weg an Arztbesuchen, Therapien und Behandlungen startete und zog sich über 2 Monate hin. Schlussendlich half mir ein hervorragender Experte aus der Osteopathie & Strukturlogie (Adresse gebe ich gerne auf Wunsch weiter). Nach 9 Wochen war ich dann erstmalig wieder schmerzfrei und so kam auch der Punkt, Einiges zu ändern.

Die entscheidende Erkenntnis
Der Rücken war nicht das eigentliche Problem. Er war das Symptom. Ich musste aufhören zu fragen: „Was mache ich im Schwung falsch?“ Und anfangen zu fragen: „Ist mein Körper überhaupt in der Lage, diesen Schwung sauber auszuführen?“ Diese Frage war unbequem, aber notwendig.
Der Einstieg in golfspezifisches Körpertraining
Aus genau diesem Grund habe ich mich entschieden, aktuell ein strukturiertes, golfspezifisches Training bei Yannick Schlemm zu starten. Nicht, um schnell wieder „funktionieren“ zu können. Sondern um die Ursachen zu verstehen, meinen Körper belastbarer zu machen und vor allem langfristig schmerzfrei Golf spielen zu können. Ich bin mitten im Prozess, ohne abschließendes Fazit, aber mit vielen wichtigen Erkenntnissen.

Mobility – Beweglichkeit mit Kontrolle, nicht mit Zufall
Eine der ersten Einsichten: Mobility bedeutet nicht, möglichst beweglich zu sein, sondern gezielt beweglich bei gleichzeitiger Stabilität. Im Golfschwung sind vor allem entscheidend:
- Hüftrotation Hier vor allem die Innenrotation. Sie ermöglicht die Beckenrotation, den Lastwechsel, Schutz von Knie und unterem Rücken. Durch zu wenig Hüftrotation kommen Ausweichbewegungen, Knieprobleme und early Extensions
- Brustwirbelsäulenbeweglichkeit (Rotation + Extension). Bei mangelnder Beweglichkeit leiden Lendenwirbelsäule und Schultern durch Kompensation
- Stabile und mobile Sprunggelenke für Balance, Bodenkraft und sauberen Stand. Bei zu wenig Mobility folgen Ausweichbewegungen im Knie und Rücken. Zu wenig Stabilität sorgt für spürbare Balanceprobleme
- Schulterblattkontrolle Für den Rückschwung, die Schlagflächenkontrolle und die Verletzungsprävention sind stabile und mobile Schultergelenke sehr wichtig
Wenn diese Bereiche eingeschränkt sind, holt sich der Körper die Bewegung anderswo. Sehr häufig aus der Lendenwirbelsäule und genau dort entstehen dann die Probleme, die ich immer wieder habe.
Insight Yannick: „Viele Golfer haben genug Beweglichkeit – aber nicht an den richtigen Stellen. Der untere Rücken übernimmt dann Aufgaben, die eigentlich Hüfte und Brustwirbelsäule leisten müssten. Mobility ohne Stabilität macht instabil. Stabilität ohne Mobility macht unbeweglich„

Stretching – sinnvoll, aber oft überschätzt
Stretching war für mich lange der erste Lösungsansatz. Heute sehe ich es differenzierter. Stretching kann Spannungen reduzieren, Beweglichkeit erhalten, Regeneration unterstützen. Was es nicht kann: strukturelle Instabilität lösen, fehlende Kraft ersetzen, Bewegungsmuster neu aufbauen
Entscheidend ist der Kontext, dynamisch vor der Runde und statisch nach Training oder Golf
Insight von Yannick: „Stretching fühlt sich oft gut an – verändert aber wenig, wenn Stabilität und Kraft fehlen.“
Krafttraining – das fehlende Puzzleteil
Der größte Perspektivwechsel für mich war das Thema Krafttraining. Nicht schwer. Nicht maximal. Nicht isoliert. Sondern kontrolliert, funktionell und rotationsstabil. Im Fokus stehen bei mir Core & Anti-Rotation, Hüft- und Gesäßmuskulatur, Schulterstabilität, gezieltes Beintraining. Diese Art von Training sorgt dafür, dass mein Körper Kräfte besser aufnimmt, Bewegungen kontrolliert und Belastung verteilt, statt sie zu bündeln.
Insight Yannick: „Ein starker Core schützt nicht durch Anspannung, sondern durch Kontrolle – besonders im Golfschwung. Krafttraining macht dich nicht steif, es gibt dir die Stabilität und Koordination, den Schwung sauber, schmerzfrei und replizierbar auszuführen.„
Der mentale Effekt: Vertrauen statt Schonhaltung
Was mich überrascht hat: Wie stark körperliche Instabilität das mentale Spiel beeinflusst. Schmerzen führen bei mir unbewusst zu vorsichtigeren Schwüngen, abgebremster Geschwindigkeit, fehlendem Commitment. Mit wachsender körperlicher Stabilität kommt bei mir etwas Entscheidendes zurück: Vertrauen. Noch nicht Perfektion, aber Sicherheit.
Ernährung – plötzlich kein Nebenthema mehr
Parallel wurde mir klar, dass Training und Golf ohne eine passende Ernährung nicht funktionieren. Zu wenig Energie bedeutet schnelle Ermüdung, Konzentrationsverlust, langsamere Regeneration. Wichtige Grundlagen: regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Protein, Flüssigkeit & Elektrolyte, keine extremen Diäten an Spieltagen.
Insight Yannick: „ Viele Golfer unterschätzen, wie stark Unterversorgung über die Ernährung die golferische Leistung, die Konzentrationsfähigkeit sowie die Konstanz beeinflusst. Wenn dir ab Loch 14 der Dampf ausgeht, brauchst du mehr Golffitness, nicht mehr Cardiotraining!“
Wo ich aktuell stehe
Ich bin nicht am Ziel, sondern erst am Anfang. Mein Rücken ist nicht „geheilt“. Mein Spiel ist nicht perfekt. Aber, ich verstehe meinen Körper besser, ich arbeite an den Ursachen und ich investiere in langfristige Spielfähigkeit. Vor allem habe ich aufgehört, Symptome zu bekämpfen und angefangen, Grundlagen aufzubauen.

Warum ich diesen Weg teile
Nicht, weil ich schon alles weiß, sondern weil viele Golfer genau dort stehen, wo ich im Herbst stand. Mit Schmerzen, mit Unsicherheit, mit der Hoffnung, dass es schon wieder weggeht. Golf ist für mich ein Spiel fürs Leben. Aber nur, wenn mein Körper mitspielt.
„Golf beginnt nicht am Abschlag, sondern bei der Fähigkeit überhaupt richtig schwingen zu können“
Ich werde diesen Weg weitergehen und berichten, wenn es wirklich etwas zu berichten gibt.
Sportliche Grüße
Euer Matthias
Ps.: Mich interessiert Eure Sicht der Dinge zu diesem Thema. Schreibt es mir bitte in die Kommentare.
4. Januar 2026
Kategorie/n: Golf Fitness • Mindset • Score verbessern
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Danke für dein Vertrauen, Matthias! Du bist bereits auf einem sehr guten Weg und ich freue mich sehr auf alles, was noch kommt! #einfachmachen – 2026 wird dein Golfjahr!
Hallo Yannick. Schön, dass Du Dich hier beteiligst. Es ist auch sehr spannend, wie ich zu Dir gefunden habe. Mann darf ja über Wünsche im Freundeskreis lauter sprechen und es ist nun mal so, dass auch mein Smartphone zuhört. So kam es, wie es kommen musste und Deine Werbung wurde mir in den Insta-Stream gespült. So soll es ja auch sein. Habt Ihr gut gemacht! Nun denn, der Call mit Dir und die offene Gesprächsart hat nun dazu geführt, dass ich in Deinem Team bin. Was wir daraus machen und was am Ende des Programms sein wird, weiß ich heute noch nicht. Ich kann Dir aber sagen, dass ich sehr fleißig bin. Das weißt Du ja selber, weil Ihr mit Eurer extrem starken App wirklich alles trakt. Macht es auch einfacher irgendwie.
Auf ganz bald!
Matthias
Sehr schöner Blogbeitrag & wahnsinnig reflektiert. Freut mich das es dir schon besser geht 🙂
Wenn man Golf nicht nur als Hobby sondern competitiv spielen möchte dann kommt man mMn um die sportliche Komponente wie bspw. Krafttraining & Mobility nicht drumherum.
Moin John,
ich freue mich hier von Dir zu lesen. Wie ich gesehen habe, sind wir beide im Team Yannick. Das freut mich! Bestimmt sehen wir und ganz bald mal…
Du hast vollkommen Recht mit dem Thema Krafttraining und Mobility. Irgendwie hatte ich das immer schon mal vor. Aber, ohne richtigen Plan wurde das leider nichts. Da bin ich zu schluderig gewesen. Aber nun ist anders und ich bin sehr gespannt was alles kommt.
Wir lesen uns lieber John!
Matthias
Was für ein Timing. Vor drei Stunden habe ich mein MRT bekommen und einen leichten Bandscheibenvorfall in der LWS diagnostiziert bekommen.
Ich befürchte, daß ich jetzt hinsichtlich Gold ein paar Tage Einschränkungen auferlegt bekommen werde. Wobei Golfen (Indoor natürlich) am Samstag noch absolut beschwerdefrei funktionierte.
Ach ja, zweiter Zufall: Dem Yannick folge ich auf Instagram seit ein paar Tagen. 🙂
Hallo Thomas, ich freue mich sehr von Dir hier zu lesen. Auch wenn wir uns so noch nicht begegnet sind, so haben wir doch einiges gemeinsam. Ich kann mich noch hervorragend gut daran erinnern, wie ich Ende Oktober voller Schmerzen und fast bewegungsunfähig ins MRT geschoben wurde. Im Anschluss folgten zahlreiche Behandlungen und viele Besuche bei Spezialisten. Und dann diese ständige Angst im Nacken…
Du kannst Dir sicherlich vorstellen, wie wertvoll ich es empfinde, nun regelmäßig zu trainieren und ein Programm zu haben, um Schritt für Schritt fit und flexibel zu werden. Spannender Weg!
Auf ganz bald mal und Dir beste Genesung. Solltest Du Dich zwischenzeitlich langweilen, dann schau´ Dich hier im Blog um 🙂
Matthias
Lieber Matthias,
Erneut ein sehr schöner, reflektierter Blog Beitrag.
Ich schaue mir das Ergebnis oder Zwischenergebnisse sehr gerne auf dem Golfplatz an!
Lieber Urs, lieben Dank für Dein Engagement hier auf Golfliebe.com
Ich bin froh, nun endlich damit angefangen zu haben. Viel zu lange habe ich damit gewartet. Schauen wir mal, wo es mich hinführt und was es alles mit sich bringt.
Auf jeden Fall freue ich mich drauf.
Bis ganz bald mein Freund
Matthias
MOIN Matthias erstmal ein frohes, vor allem gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2026 auch von mir. Es freut mich das es dir endlich wieder besser geht. 🙂 Sonnige Grüße bis bald mal Simone beim Golf oder auf dem Fahrrad #isernhagen
Moin Moin, welch‘ Freude liebe Simone. Das freut mich sehr von Dir hier zu lesen.
Endlich wieder zu trainieren und weiter am Spiel arbeiten zu dürfen macht mich glücklich. Mal schauen, wo es mich hinführt.
Ganz liebe Grüße ans Team
Matthias
Zweiter Versuch einer Antwort.
Hallo Matthias,
mit Sicherheit werde ich Deinen Blog mal durchstöbern. Ich glaube, Deine Schreibe gefällt mir.
Hinsichtlich meines Rückens bin ich ja immer noch optimistisch, daß ich bis zum Frühjahr wieder belastbar bin. Es wäre schon bitter, nach der langen Pause nach einer OP vor zwei Jahren wieder länger auszufallen.
Bis dahin beste Grüße in den Norden (auch wenn es natürlich nicht der wahre Norden ist 😉 )
Moin, ich drücke Dir die Daumen 👍
Liebe Grüße
Matthias